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Front und Heimat

Gedanken zur Ausstellung „Der große Krieg?“

Von Norbert Ellermann


Die beiden heutigen Partnerstädte Gütersloh und Châteauroux waren im Ersten Weltkrieg keine Frontstädte und trotzdem waren sie im Krieg oder durch den Krieg geprägt. Männer waren als Soldaten an der Front, Frauen und Kinder an der so genannten Heimatfront. Die Frauen gingen weiter ihrer Beschäftigung nach, die Kinder gingen zur Schule. Aber alles war auf Krieg ausgerichtet. Überall musste der Patriotismus gezeigt werden. Frauen waren in der Rüstungsindustrie tätig und Kinder sammelten kriegsbrauchbares Material. Das Ziel war, mehr und bessere Waffen herzustellen und einzusetzen als der Feind. Der Erste Weltkrieg ist ein Krieg des massenhaften Einsatzes von Maschinen (Panzer, Luftschiffe, Flugzeuge, Kriegsschiffe und Unterseeboote) und der Maschinen-Waffen (Maschinengewehre und Artillerie.) Eine neue Dimension des Tötens ist der Einsatz von Giftgas. Auch eine Ausstellung, die die Heimatfront zeigt, muss sich daher mit Themen beschäftigen, die eigentlich nicht zusammengehören.

Heimat ist Zuhause und Gemütlichkeit, Frieden und Geborgenheit. Front ist Krieg und Tod, Leid und Verwundung. Beides zusammen ist die Heimatfront. Denn in der Heimat werden die Materialien für den Krieg gesammelt, hier werden die Waffen hergestellt, von hier aus ziehen die jungen und gesunden Männer los und hier zeigen sich die Verwundeten und Verkrüppelten. Deswegen soll auch eine Auswahl an Waffen gezeigt werden, die Menschen geschaffen haben, um damit gegen andere Menschen zu kämpfen, mit dem Ziel diese zu verletzen und zu töten. Für eine zivile Gesellschaft, wie der unseren in der heutigen Zeit, ist das sicherlich schwer zu ertragen. Und so soll es auch sein, Krieg und Waffen dürfen nicht erträglich sein und damit normal werden. Der Erste Weltkrieg war eine Zeit, in der Krieg und Waffen, Tod und Verwundung zwar nicht normal aber für vier Jahre Alltag waren. Und dieses nicht nur an der Front, sondern eben auch an der Heimatfront. Verwundete und kranke Soldaten in der Heimat machen das wahre Gesicht des Krieges deutlich. Weit entfernt von der Formulierung der alten Römer, die jeder Lateinschüler kannte: „Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben!“.

Die Kranken oder Verwundeten wurden von der Frontlinie zum Frontlazarett, ins Etappenlazarett hinter der Front bzw. dann nach Deutschland gebracht. In Deutschland wurde schätzungsweise ein Fünftel der Verwundeten behandelt, so auch in Gütersloh. Hier gab es zwei konfessionelle Krankenhäuser, die über Lazarettabteilungen verfügten, das evangelische Krankenhaus Barth’sche Stiftung und das katholische St. Elisabeth-Hospital. Die ersten Verwundeten trafen bereits Mitte September 1914 ein, schon bald betrug ihre Zahl 100. Wenn Verwundete auf den erhaltenen Bildern zu sehen waren, dann oft welche mit Schussverletzungen an Armen und Beinen, was nicht selten zu Amputationen führte. Die Menschen in Gütersloh bemühten sich, den ankommenden Verwundeten einige Annehmlichkeiten anzubieten. So wurden sie z.B. vom Obstbauverein mit eingewecktem Gemüse und Obst versorgt. Schulen luden die transportfähigen Verwundeten zum Kaffee und zu Feiern mit musikalischer Untermalung ein, wobei dabei auch hier militärisch-patriotische Töne nicht fehlen durften. Im Ersten Weltkrieg starben insgesamt 10 Millionen Soldaten, davon 2 Millionen deutsche. Es gab 20 Millionen Verwundete, davon 5,7 Millionen deutsche. Etwa 700.000 von den deutschen Soldaten wurden so schwer verwundet, dass sie dauerhaft als „dienstunbrauchbar“ entlassen wurden. Nach Auskunft des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. sind 604 Männer aus Gütersloh im Ersten Weltkrieg gefallen oder an ihren Verwundungen gestorben.


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