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Das Offiziersgefangenenlager


In Gütersloh wurde in den Jahren 1911 bis 1914 eine größere Anzahl von Gebäuden für die geplante Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt errichtet, in die aber bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges keine Patienten einzogen. Es waren an der Westfront und an der Ostfront gefangen genommene alliierte Offiziere, die die ersten Bewohner wurden. Nach der Haager Landkriegsordnung von 1907 durften Offiziere nicht zu Arbeiten herangezogen werden und sie durften auch weiterhin ihre Offiziersburschen, also ihre persönlichen Bediensteten, behalten. Sie wurden somit weitaus besser behandelt als die Unteroffiziere und Mannschaften. Die gefangenen Offiziere aus Frankreich, Großbritannien und Belgien, später auch aus Russland, kamen mit Eisenbahnzügen am Bahnhof Gütersloh an und wurden zu Fuß unter Bewachung von älteren Landwehrsoldaten über die Lindenstraße oder über die Straße „Unter den Ulmen“ ins Lager geführt. Bewacht wurden sie dann lediglich von 18 deutschen Soldaten, die ein eigenes Wohnhaus außerhalb des Lagers hatten, wozu noch drei Offizierswohngebäude kamen. Kommandant des Kriegsgefangenenlagers war Oberstleutnant Karl von der Groeben, der zugleich ranghöchster deutscher Soldat in Gütersloh und somit bei offiziellen Anlässen der Repräsentant des Militärs war.

Ein Lagerplan vom 23. August 1916 lässt die Anzahl der Gebäude für die Kriegsgefangenen und deren Nutzung erkennen. Es gab acht Unterkunftsgebäude, ein Waschhaus, ein Verwaltungsgebäude und ein Küchengebäude sowie ein außerhalb gelegenes Gebäude mit einer extra Umzäunung für Zivilgefangene. Das Lazarett mit angeschlossener Zahnarztpraxis befand sich im Verwaltungsgebäude. In diesen Gebäuden waren eine englische, eine französische und eine russische Bibliothek, sechs Lesezimmer, ein Theater im Waschhaus, zwei Malzimmer sowie ein Musikzimmer untergebracht. Für die sportliche Betätigung außerhalb der Gebäude gab es Anlagen für drei verschiedene Sportarten: ein Hockeyplatz, ein Fußballplatz und mehrere Tennisplätze. Die Tennisplätze waren nach Nationalitäten untergliedert: einer für Belgier, drei für die Franzosen, zwei für die Briten und vier für die Russen. Geistlich betreut wurden die gefangenen Offiziere in einer römisch-katholischen, einer anglikanischen und einer russisch-orthodoxen Kirche, womit Kapellen in verschiedenen Häusern gemeint sind. Wie viele Offiziere in dem Gefangenenlager gelebt haben, ist unbekannt, Platz wäre gewesen für bis zu 1500 Mann.

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