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Die Heimkehr der Soldaten nach Châteauroux, Die unglaubliche Geschichte des Tambours Erich Stöcker, Die zwei Leben des Emil S., Filmmatinee im Bambikino, Malwettbewerb, Vortrag von Dr. Arndt Weinrich


„Die zwei Leben des Emil S.“

Kriegsgeschichte, wie sie nicht im Buche steht – Autorenlesung

im Stadtmuseum mit Rainer Stöcker


Diese Gschichte steht in keinem Geschichtsbuch und wirft doch in besonderer Weise ein Licht auf die Absurdität des Krieges: In seinem Buch, „Die zwei Leben des Emil S.“ erzählt Rainer Stöcker anhand von Dokumenten und Fotos vom Schicksal seines Großvaters, eines Hagener Arbeiters und Soldaten, der in das Räderwerk des Ersten Weltkrieges und der Weltgeschichte geriet. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur Ausstellung „Der große Krieg?“ ist der Lehrer und Autor aus Hagen am Donnerstag, 5. Juni, um 19.30 Uhr zu Gast im Gütersloher Stadtmuseum. Der Eintritt ist frei.

Im Februar 1915 irrtümlich für tot erklärt, verbrachte Emil S. fast drei Jahre in sibirischer Gefangenschaft, bevor er sich auf eigene Faust in die Heimat durchschlug. Hier steckten ihn die Militärs erneut in die Uniform und schickten ihn an die französische Westfront, wo er an den blutigen Grabenkämpfen an der Somme teilnahm. Durch seine bitteren Erfahrungen wurde er zum Gegner der Monarchie, was noch Jahrzehnte später an einer Tätowierung am Unterarm abzulesen ist. Darauf stand: „Nieder mit Kaiser und Reich“.

Der Autor selbst hat die Geschichte erst lange nach dem Tod seines Großvaters recherchieren können, als er in dessen Nachlass Schriftstücke aus dem Ersten Weltkrieg, die gleich mehrfach dessen Tod bezeugen, fand. Im vergilbten Familienalbum und im Internet, in alten Büchern und Berichten geht der Autor auf Spurensuche. Sie führt ihn nach Polen, Sibirien und Frankreich. Herausgekommen ist ein lebendig geschriebenes, sehr persönliches Buch, in dem die Leiden, Hoffnungen und Enttäuschungen eines Menschen nachgezeichnet werden, dem wahrlich nichts erspart blieb – der im Krieg stets an vorderster Front stand, der drei Jahre in russischer Gefangenschaft verbrachte, bevor er sich in den Wirren der Revolution in die Heimat durchschlug. Wo ihm erneut übel mitgespielt wurde. Als ohnehin wortkarger Mensch aus sehr bescheidenen Verhältnissen, dessen Leben immer vom Überlebenskampf geprägt war, machte Emil S. nicht viel Aufhebens um seine Person. Er hat seine abenteuerliche Geschichte nie wirklich erzählt, geschweige denn zu Papier gebracht. Das hat nun der Enkel für ihn getan.
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